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#5 Du darfst Sein, Herzenspferd – 7 Erkenntnisse aus einer Turniererfahrung

Wettbewerbe sind für den Menschen gemacht, nicht für die Pferde. In meinem heutigen Blogartikel teile ich eine Turniererfahrung die ich in Namibia gemacht habe und welche Lehren ich daraus für mich, den Umgang mit Pferden und das Pferdetraining gezogen habe. Viel Freude beim Lesen! Deine Ramona

Die Debatte um das Springpferd einer deutschen Fünf-Kampf-Ikone in Tokio hat mich sehr bewegt. Sie versuchte mit einem fremden Pferd einen Springparcour zu bewältigen, welches kein Vertrauen hatte und gänzlich die Kooperation blockierte. Ich erinnere mich an eine ähnliche Situation die ich erlebte und an die persönlichen Lehren die ich daraus gewonnen habe…

Während meines Sabbaticals in Namibia stellte ich für das Gestüt einen Wallach in je zwei einfachen Dressur- und Springprüfungen vor. Wir hatten einen guten Draht zu einander und an sich dachte ich, wir seien gut vorbereitet. Jedoch spürte ich, dass es kurze kleine Momente im Training gab, bei welchen das Pferd unsicher war und versuchte zu flüchten, innerlich und äußerlich. Ich versuchte dem Wallach mit Vertrauen und positiver Verstärkung in den Trainingseinheiten zu bestärken. Und ich war zuversichtlich getreu dem Motto – „das klappt schon“.  So fuhren wir mit der „HORSEBOX“ (so nennen die Deutschsprachigen in Namibia einen Pferdeanhänger) durch die Namib-Wüste an die Küste nach Swakopmund zum Veranstaltungsort.

✨ Schau hin! Besonders dann, wenn Dein Pferd sich nicht wohl fühlt✨

Auf der Farm ist er ein aufgeschlossener, leicht „schlingeliger“ Charakter, der gern mit dann anderen Pferden in der Weite tobt und ich erinnere mich wie er sich freudig nach einem Regenschauer immer wieder im Flussbett freudig wälzte und mit seinen Herdenkollegen tobte, ein wunderschöner Moment.

Als wir ankamen und vermehrt der Turnieratmosphäre ausgesetzt waren nahm ich wahr, dass der Wallach zunehmend voller Anspannung war. Ich spürte, wie er immer mehr in einen „Funktionieren“-Modus versuchte zu gehen um gut durch die Situation zu kommen. Um etwas Druck rauszunehmen tat ich, was wir auf der Farm auch gerne taten. So wählte ich als Trainingsritt nur kurz die Trainingsarena und suchten dann das „Weite“ in der angrenzenden, wunderschönen Mondlandschaft am Rande der Namibwüste. Ich spürte wie das Entdeckerherz, das in ihm steckt, aufging und wir genossen eine gute Trainingseinheit draußen.

✨Pferde sind und bleiben Fluchttiere. Das haben wir zu respektieren✨

Am Tag des Wettkampfes verliefen die Dressurprüfungen optisch gut, wohl fühlte er sich jedoch nicht und ich spürte wie er in ein „Abspulen“ des Gelernten geriet. Sein Geist war im Fluchtmodus, er wollte die Situation so schnell wie möglich hinter sich lassen.

✨Danke (Pferd), dass Du Deinen eigenen Willen zeigst, ich respektiere ihn!✨

Auf dem Arbeiteplatz für die Springprüfungen machte er innerlich dann völlig „zu“ und ich hatte das Gefühl, dass dies auch nicht das erste Mal war, dass er in einer solchen Situation war. Er verweigerte mehrfach die Übungssprünge. Ich startete in einer der drei geplanten Springprüfungen. Direkt beim ersten Sprung verweigerte er, ich stürzte – weich in den Sand – und meldete uns von den weiteren Springprüfungen ab.

✨Wettbewerb ist für den Mensch gemacht. Nicht für das Pferd. ✨

Mein Ego war verletzt. Wie gern hätte ich für das Gestüt ein gutes Ergebnis erzielt. Der ganze Aufwand, der die Teilnahme mit sich brachte schürte mein schlechtes Gefühl. War ich erfolglos? Schließlich war es auch der vermeintliche Sinn meines Sabbaticals, Pferde zu trainieren und für das Gestüt vorzustellen. Dennoch war ich zugleich auch dankbar und beruhigt, dass ich Folami keiner weiteren Situation bei der er sich unwohl oder unter Druck gesetzt fühlte, aussetzte. Bent Branderup, Großmeister der akademischen Reitkunst sagte einmal: „Die Dressur ist für das Pferd da und nicht das Pferd für die Dressur.“ Das finde ich wundervoll formuliert.

Bis dahin hatte ich die Akademische Reitkunst als wundervolle integrierende Trainingsmethode gesehen. Die Erfahrung hat mich aber erneut und tiefergehend gelehrt, dass es gilt mit dem Pferd zu sein und dass es nicht funktionieren muss. Und dass sich die akademische Reitkunst mit dem Turniersport, wo es um Vergleiche und Höchstleistung geht, nicht vereinen lässt. Wahrscheinlich ist es ähnlich, wie wenn man einem Leistungssportler sagt, mach mal Yoga als Leistungskategorie. Das funktioniert nicht.

Manche Pferde akzeptieren alles rund um Turniere sehr gut. Andere nicht. Dies gilt es zu akzeptieren und nicht durch Druck zu erzwingen.

✨Die Basis eines jeden Pferdetrainings ist Vertrauen. Es lässt sich nicht durch Druck ersetzen oder erzwingen. ✨

Sicherlich war dies nicht Olympia. Und das Pferd Folami und ich kannten uns und hatten eine ausgereifte Vorbereitungszeit. Dennoch war kein passendes Maß an Vertrauen und Willenskraft da. Wenn die Willenskraft des Reiters überhand nimmt, aber das Vertrauen beim Pferd zum Reiter nicht da ist, dann geschieht was in Tokio passiert ist.

✨Du darfst sein, Herzenspferd! Und Du darfst sensibel sein!✨
Was in Tokio passierte, ist nicht ohne Grund passiert. Es ist eine Chance zu sehen, dass der Wille des Pferdes zu respektieren ist. Das Pferd hat klar gezeigt, dass es kein Vertrauen in die Reiterinnen, die Arena und den Springparcour hatte. Das ist nach der kurzen Kennenlernzeit mit den Reiterinnen auch nicht verwunderlich. Es hat sich durch gesetzt und dem Druck, welcher ausgeübt wurde, zur Wehr gesetzt. Ein Pferd reagiert sensibel auf eine Fliege wie ein Mensch nachts welches von einer Stechmücke wachgehalten wird. Der Einsatz einer Gerte in der Art und Weise wie es in Tokio passiert ist, ist nicht akzeptabel.

✨Ein Pferd muss nicht funktionieren. (Ein Mensch muss es auch nicht.)✨
Nicht zu unterschätzen ist das Trauma, dass das Pferd durch die Situation und die Reiterin vor allem von der öffentlichen Situation erfährt. Dies gilt es zu heilen, Vertrauen wieder aufzubauen und seine Lehren daraus zu ziehen. Ich wünsche mir für die Pferde, dass diese Kategorie Fünfkampf mit den bestehenden Regularien, fremde Menschen und fremde Pferde kurzfristig zusammen zu führen, überdacht wird und Pferde mehr sein dürfen, als funktionieren zu müssen.

Alles Liebe, 

Deine Ramona

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